High Energy statt High Pressure: Heike Bruch im SPIEGEL-Interview

Wie gelingt es Unternehmen, auch unter anhaltend hohem Druck leistungsfähig und gesund zu bleiben? Im aktuellen SPIEGEL-Interview spricht Prof. Dr. Heike Bruch über den Unterschied zwischen High-Energy- und High-Pressure-Unternehmen – und darüber, welche Rolle Führung, Kultur und People Management dabei spielen.

Der Druck in Unternehmen ist hoch – und hinterlässt zunehmend Spuren. Aktuelle Untersuchungen des IFPM-HSG zeigen, dass inzwischen rund 55 Prozent der Führungskräfte erschöpft sind. Gleichzeitig beobachten die Forschenden seit mehreren Jahren einen deutlichen Anstieg von Unternehmen, die sich im sogenannten High-Pressure-Modus befinden.

Dabei ist hoher Druck allein nicht das entscheidende Problem. Vielmehr kommt es darauf an, wie Organisationen damit umgehen. Während High-Pressure-Unternehmen den äusseren Druck nach innen weitergeben und damit Überlastung, Aktionismus und Erschöpfung verstärken, gelingt es High-Energy-Unternehmen, Druck in positive, produktive Energie zu übersetzen. Die Forschung des IFPM-HSG zeigt, dass diese Unternehmen hohe Leistungsfähigkeit mit Engagement, Gesundheit und einem positiven Arbeitsklima verbinden können.

Drei Erfolgsfaktoren von High-Energy-Unternehmen

Im Gespräch mit dem SPIEGEL hebt Heike Bruch insbesondere drei Ansatzpunkte hervor:

1. Langfristig in Leadership, Kultur und Generationen investieren
Moderne Führung und eine bewusst entwickelte Unternehmenskultur geben Orientierung und Stabilität – gerade in Zeiten hoher Veränderungsdynamik. Unternehmen, die kontinuierlich in Führung, Werte und Kultur investieren, schaffen bessere Voraussetzungen dafür, auch unter Druck gesund und leistungsfähig zu bleiben.

2. People Management ganzheitlich denken
Technologische Transformation und Kulturwandel lassen sich nicht getrennt voneinander gestalten. Ein zukunftsorientiertes People Management verbindet Leadership-, Kultur-, People- und Technologietransformation. Gerade mit Blick auf die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz wird diese Verbindung zu einer zentralen Voraussetzung für nachhaltige Transformation.

3. Energie und Kultur messbar machen
Kultur und Energie sollten nicht allein als «weiche» Faktoren betrachtet werden. Unternehmen können systematisch erfassen, wie es um Energie, Erschöpfung, Führung und Kultur steht – und diese Daten mit Leistungskennzahlen verbinden. So wird sichtbar, welchen Beitrag organisationale Energie zu Gesundheit, Innovationsfähigkeit und wirtschaftlichem Erfolg leistet.

Die zugrunde liegende Forschung des IFPM-HSG basiert auf einer langjährigen Datenbasis mit mehr als 160 Unternehmen und 28’000 Mitarbeitenden. Sie zeigt: Nachhaltige Hochleistung entsteht nicht durch immer höheren Druck, sondern dort, wo Unternehmen Energie bewusst mobilisieren, fokussieren und erhalten.

Für Führungskräfte ergibt sich daraus eine zentrale Frage: Verstärke ich den vorhandenen Druck – oder gelingt es mir, ihn in Klarheit, Fokus, Zuversicht und Energie zu übersetzen?

Das vollständige Interview mit Prof. Dr. Heike Bruch ist im aktuellen SPIEGEL WORK erschienen.

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