Am 5. Januar 2026 ist Professor Dr. Rolf Wunderer verstorben. Mit ihm verlieren die Universität St.Gallen, das Institut für Führung und Personalmanagement und die Leadership-Community einen bemerkenswerten Wissenschaftler.
Rolf Wunderer war nicht nur Gründer und langjähriger Direktor des Instituts für Führungs- und Personalmanagement an der Universität St.Gallen (IFPM-HSG), sondern vor allem ein leidenschaftlicher Vordenker für Leadership, werteorientierte Führung, Mitunternehmertum und eine moderne Rolle des Personalmanagements. Er war einer der ersten, der Führung nicht nur als betriebswirtschaftliche Disziplin verstand, sondern als menschliche, werteorientierte und tief persönliche Aufgabe mit Kopf, Herz und Hand.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten prägten ganze Generationen von Studierenden, Führungskräften und Forscherinnen. Sie setzten zeitlose Maßstäbe und bilden auch heute das Fundament eines modernen Führungs- und Personalmanagements.
Sein wohl prägendstes Grundlagenwerk ist «Führung und Zusammenarbeit», ein Kompendium zu einer unternehmerischen Führungslehre, das er bis zur neunten und letzten Auflage stets aktualisiert und weiterentwickelt hat. Besonders innovativ und einflussreich waren auch die Werke «Mitarbeiter als Mitunternehmer» und «Personalmanagement – Quo vadis?». Seine Bücher und zahlreichen weiteren Publikationen haben nicht nur wissenschaftliche Diskurse bewegt, sondern prägende Wirkung auch in der Praxis gezeigt. From Insight to Impact.
Schon lange vor seiner Emeritierung begann Rolf Wunderer mit einer besonderen Arbeit. Ein Herzensprojekt für ihn und für die Leserinnen und Leser eine einzigartig inspirierende Angelegenheit: Management und Märchen. In diesen Arbeiten zeigte sich auf besondere Weise, was ihn zutiefst ausmachte: sein Schöpfergeist, seine Verbindung zu Werten und Grundhaltung sowie seine Liebe zu Lernen, Kindern und ihrer Sicht auf die Welt. Seine Märchenprojekte verbanden eine spielerische Seite und ein Augenzwinkern mit Tiefe und einer entwaffnenden Offenheit. Herausstechend sicher der «Gestiefelte Kater als Unternehmer».
So gelang es ihm, durch Bilder und scheinbar einfache Analogien pointierte Beobachtungen zu beschreiben. Besonders Schönes und Vorbildhaftes, aber auch persönliche Brüche oder Fehlentwicklungen einer modernen Führung und Zusammenarbeit zu benennen und daraus Denkanstöße und tiefe Weisheiten für eine verantwortungsvolle Gestaltung von Führung und Kultur abzuleiten. «Das Kalte Herz» überträgt er beispielsweise in markanter Weise auf aktuelle Fragen zwischen Menschlichkeit und Reichtum. Rolf Wunderer war auch ein ausgesprochener Familienmensch. Mit seiner Frau Barbara ging er über mehr als 60 Jahre gemeinsam durchs Leben. Gemeinsam haben sie ihren Kindern und Enkelkindern auch die Liebe zu den Märchen weitergegeben.
Rolf Wunderer hat Menschen erreicht und inspiriert. Viele Wegbegleiter, Kollegen, Schülerinnen und Schüler, Studierende und Menschen einer breiten Öffentlichkeit erlebten ihn ihn als außergewöhnliche Persönlichkeit, deren Wirken bleibende Spuren hinterlässt. Er förderte und prägte Menschen nicht nur fachlich, sondern trug bemerkenswert auch zu ihrer individuellen Entwicklung und ihrem Wachstum bei.
Für mich persönlich war Rolf Wunderer weit mehr als ein akademischer Mentor. Er war ein inspirierender Lehrer, ein fordernder und fördernder Begleiter und ein Wegbereiter in vielen innovativen und pionierhaften Fragen. Wie kaum ein anderer trat er mit Mut und Durchsetzungswillen für seine Überzeugungen ein. Das Institut, das er gegründet und über Jahrzehnte geprägt hat, trägt seine Handschrift.
Als Mensch ist er in vielerlei Hinsicht mein Vorbild. Sein Herzblut, seine Ideen und intellektuellen Impulse und sein unermüdlicher Forschergeist. Seine Fähigkeit, Menschen zu bewegen, zu faszinieren und zu entwickeln. Seine Lebensfreude, sein Humor und sein liebenswerter Dickkopf sind allerliebst und werden fehlen.
In Dankbarkeit.
Im Namen des Instituts für Führung und Personalmanagement,
Prof. Dr. Heike Bruch